#7: Transzendentales

Der Berliner Klangkünstler Montau manifestierte mit seiner Performance während des letzten Abends, den symbolischen Aufstieg aus dem Untergrund, in dem das Festival dieses Jahr stattfand. Das audiovisuelle Kunstwerk, das von Sophie Lazzari und Annika Terwey, den beiden Kuratorinnen der Ausstellung Dunkle Ecken, im Livestream anmoderiert wurde, entwickelte sich auf Salto.bz und natürlich auch auf unseren Kanälen, zu einem kollektiven, transzendentalen Erlebnis, dass sich eigentlich nur durch seine technischen Grenzen zwangsläufig in der Realität wiederfinden musste. Dieses Erlebnis unterstreichte für mich auch den Charakter des heurigen Festivals, wie er mir als Zeuge immer wieder aufgefallen war: Talentierte KünstlerInnen aus ganz Europa, die sich mithilfe von neuen, innovativen technischen Mitteln in unentdeckten Sphären vorwagen um die Provinz zu erweitern.

Frei nach dem Gesetz von Jante manifestiert sich hier aber keine Unterdrückung der Individualität sondern zelebriert die persönliche Entfaltung im sozio-kulturellen Umfeld und darüber hinaus. Die Avantgarde kennt man hier nicht nur aus den Kunstbüchern, sondern erlebt sie, wenn auch nur im Livestream von LanaLive, live mit. Das waren jetzt wahrscheinlich ein paar lives zu viel, aber in Zeiten in den wir uns nie sicher sein können, wann wir das nächste Mal ins künstliche Wachkoma gelegt werden, kann man den Begriff ruhig öfter verwenden.

Apropos Transzendentales: Wer aufgepasst hat, wird auf dem Billing von LanaLive den selben Namen gleich zwei Mal lesen. Manuel Oberkalmsteiner zeigte sich bereits mit Matthias Keitsch während der Unheard Places auf Radio Sunshine. Seine Performance mit seinem Soloprojekt “Zolf&Saturn” in der wunderschönen Villa Arnica in Mitterlana hat dann aber noch einmal besondere Akzente gesetzt – und das in vielerlei Hinsicht. Die Szenerie in der Manuel seine Performance hingelegt hat, ist ungebrochen eine der schönsten, die Lana zu bieten hat. Falls es in Südtirol irgendwann Mal sowas wie ein mediterranes Flair außerhalb der generischen Tourismusprospekte gab, dann ist es in der Villa Arnica in Lana zu finden. Man sehnte sich während des Live-Streams öfter in die Toskana und das nicht erst in der Mitte der Aufnahme. Kombiniert man das jetzt noch mit Oberkalmsteiners mannigfaltigen Arsenal an Instrumenten, die er während des Gigs benutzt hat, tritt man in einen tranceartigen Zustand ein, der alle Pandemien dieser Welt ohne große Mühe verdeckt.

Sicher, wir kommen langsam aber sicher auf den Juni zu und insbesondere dann, wenn man drei Monate lang während des Lockdowns mit Livestreams zugepflastert wurde, wird man dem ganzen Livestreams etwas überdrüssig, aber irgendwie hat es Manuel tatsächlich geschafft, alles aus dem Livestream rauszuholen.
Im effektiven Lockdown wäre aus der Performance wahrscheinlich noch ein ticken mehr rauszuholen gewesen, aber dass wir uns nicht mehr im Lockdown befinden möchte ich hier jetzt wirklich nicht kritisieren.

Manuels Performance finden Sie >hier<.
Montaus performance >hier<.

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