#10: Hannes und Katrin

Anschließend an den letzten Satz des vorherigen Textes stellt dieses Gespräch den letzten Abschnitt meiner Zeugschaft dar, die ich für das Festival in den letzten Wochen abgeleistet habe. Dieses Gespräch mit den beiden Organisatoren von LanaLive fand bei einer Schale Kirschen auf dem Balkon von Hannes Egger statt. Ich traf mich mit Katrin und Hannes, um das Festival, rund zwei Wochen nachher zu rekapitulieren und eine Skizze für die Zukunft von LanaLive zu malen.

Thomas Tribus: Wie gehts euch? LanaLive ist vorbei, wie habt ihr die Zeit erlebt?

Katrin: Ja, spannend! Es ist wirklich alles gut gelaufen und wir freuen uns sehr auf das nächste Jahr, oder Hannes?

Hannes: Es ist schon immer sehr anstrengend. Insbesondere die zweite Woche zieht schon ordentlich nach. Das erste Wochenende bringt immer eine bestimmte Euphorie, eine bestimmte Aufbruchstimmung mit sich, die zweite schleppt sich dann aber gerne. Ich hätte mir eigentlich gedacht, dass die zweite Woche nicht so anstrengend wird, weil die Abendveranstaltungen eben nicht physisch stattgefunden hatten.

Katrin: Die Arbeit ist trotz allem halt doch immer intensiv und es ist auch schwierig, immer einnen ansprechenden Spannungsbogen für das Festival zu finden. Das war auch insbesondere heuer schwierig, da es nicht so viele Möglichkeiten gibt ein Festival im digitalen Raum auszurichten. Auch wenn ich glaube, dass uns das schon gelungen ist. Natürlich ist das erste Wochenende, wie Hannes bereits gesagt hat, am Beginn des Festivals immer voller Euphorie und Spannung auf das was da noch kommt. In der Woche darauf, insbesondere unter der Woche stellt sich dann aber schon Ernüchterung ein.

TT: Wie kommt das?

Hannes: Vielleicht hat das auch mit der eigenen Stimmung zu tun. Bei manchen Veranstaltungen musste ich einfach nur das Radio einschalten und quasi keinen Finger rühren, ich war aber trotzdem nervös, ob das Konzept dann auch funktioniert. Ich meine, die technischen Probleme herrschen ja sonst auch bei Normalbetrieb vor, mit dem ganzen Lockdown war das schon ein Stück weit unberechenbar. In dieser Form, so wie wir das Festival heuer gestaltet haben, wartet man eben den ganzen Tag darauf, was am Abend passiert. So viel Vorbereitung wie bei den Liveevents gibt es natürlich aber nicht.

Katrin: Also die Vorfreude auf das Festival war für mich heuer schon riesig muss ich sagen. Das hatte zum einen mit der Situation zu tun, aber auch die Vorfreude zu sehen, wie sich langsam aber sich alles zusammensetzt und dann eben genau so statt findet, wie wir es geplant hatten. Das war schon sehr spannend.

Hannes: Ja, absolut! Was etwas gefehlt hat war der Moment, wo man sich ins Geschehen werfen konnte. Momente, wo man Teil des Ganzen wurde. Bei einer gemütlichen Runde mit den Künstlerinnen und Künstlern zum Beispiel. Das hat mir gefehlt.

Katrin: Ja das stimmt. Aber das holen wir am besten nach! Außerdem war es ja schon gemütlich daheim vor dem Laptop [lacht].

TT: Wie sieht es nächstes Jahr aus? Habt ihr da schon etwas geplant?

Hannes: Ich kann mir für die nächste Ausgabe definitiv eine Mischung aus dem Analogen und dem Digitalen vorstellen. Ich finde beides sehr spannend und kombiniert ist es wahrscheinlich noch viel interessanter.

TT: Ihr organisiert das Festival jetzt seit 9 Jahren, nächstes Jahr wird es die zehnte Ausgabe werden. Was war denn euer definitives Highlight in den letzten Jahren?

Hannes: Der >Rummelsnuff<. Das war die Ausgabe zur Industriezone. Wir haben Rummelsnuff in der Arena in Wien entdeckt und fanden ihn gleich super. Er hat von sich gesagt, dass er Prolo-Arbeiterlieder machen würde, hat er dann auch. Sein Konzert war absolut verrückt. Es sind sogar Leute aus Vicenza hoch nur ihm zu sehen. Wahnsinn!

Katrin: Es war wirklich lustig. Eines meiner Highlights war auch der Hörbuch-Bus durch Lana, der war auch Teil der Industrie-Zone-Ausgabe. Da sind wir mit dem Bus durch Lana gefahren und haben und haben uns nebenher Fakten über Lana angehört.

TT: Was nehmt ihr von dieser Ausgabe mit?

Katrin: Das ist zu früh zu sagen.

Hannes: Ja, das ist noch zu früh zu sagen.

TT: Wird die zehnte Ausgabe der definitive Abschluss für euch?

Hannes: Ja, schauen wir mal was passiert. Aber so wie es jetzt ist schon.

Katrin: Wahrscheinlich schon ja. Ich meine, das Festival ist schon einzigartig und alles, aber die zehn ist einfach eine gute Nummer. Was das Festival für mich immer ausgemacht hat, ist die Themenbezogenheit des Festivals, die sich rigide durch die Jahre gezogen hat. Auch der Umstand, dass wir verschiedene künstlerische Sparten unter ein Thema bringen inspiriert mich sehr, das ist nicht so leicht zu bewerkstelligen.

Hannes: Man muss bei sowas auch ganz einfach etwas spüren. Es muss passen. Ich meine ja, wir hätte etwas mehr Leute auf unsere Seite ziehen können, aber wir sind nun Mal ein Festival das nicht ganz so auf den Mainstream ausgerichtet ist.

Katrin: Außerdem sind wir auch ziemlich elitär unterwegs. .

Hannes: Das auch. Wir sind für normale Leute etwas zu abgespaced. Die treffen sich lieber auf dem Zelt- oder Volksmusikfest. Wir sind da etwas zu freaky und das hat wiederum mehrere Gründe.

TT: Die da wären?

Hannes: Wir versuchen mit dem Thema immer einen Rahmen zu spannen, damit die Künstlerinnen und Künstler eine orientierung für ihre Arbeit haben. Dieser Rahmen sollte eigentlich auch dafür sorgen, dass Max Mustermann das Festival versteht. Aber es kann gut sein, dass wir an dieser Stelle noch etwas Arbeit gut zu machen haben.

Katrin: Wir sehen halt das Gesamtbild. Musikliebhaber besuchen lieber Konzerte, Fans der bildenden Kunst Ausstellungen, Theaterfreunde besuchen Aufführungen und wir packen das alles halt in ein einziges Festival. Ich verstehe, dass wir für viele zu experiemtierfreudig sind. Bei uns gibt es mit jedem neuen Event eine neue Location, neue Künstlerinnen und Künstler, unterschiedliche Themen und unterschiedliche Ansätze. Wir müssten wahrscheinlich für jede Veranstaltung ein eigenes Zielpublikum tangieren. Das ist finanziell aber kaum zu bewerkstelligen.
Sollten wir das Festival wirklich noch weiter organisieren, müssen wir uns neu erfinden.
Wir wollen uns schließlich nicht wiederholen.

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